Collabora Online
Collabora Online ist eine quelloffene, selbst-hostbare Office-Suite im Browser, die auf LibreOffice basiert. Sie ermöglicht das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten, Tabellen und Präsentationen und bietet eine Alternative zu Microsoft 365 oder Google Workspace mit voller Datenkontrolle.
Ausführliche Erklärung
Collabora Online ist eine webbasierte Office-Suite, entwickelt vom britischen Unternehmen Collabora Productivity, das als größter kommerzieller Beitragender zum LibreOffice-Projekt gilt. Die Lösung bringt die bewährte LibreOffice-Funktionalität in den Browser und ermöglicht Echtzeit-Kollaboration bei Textdokumenten, Tabellenkalkulationen, Präsentationen und Grafiken. Anders als cloudbasierte Dienste wird Collabora Online auf eigener Infrastruktur oder bei vertrauenswürdigen europäischen Hosting-Partnern betrieben – die Daten verlassen dabei nie die Kontrolle des Unternehmens.
Die Software steht unter der Mozilla Public License v2.0 (MPLv2, Open Source), wobei Collabora zusätzlich kommerzielle Support- und Enterprise-Lizenzen anbietet. Für KMU ist besonders relevant, dass Collabora Online als "Development Edition" (CODE) kostenfrei für kleine Teams und Testumgebungen verfügbar ist. Die Integration erfolgt typischerweise über Cloud-Plattformen wie Nextcloud, ownCloud oder auch SharePoint, wobei das WOPI-Protokoll für die Anbindung genutzt wird. Die Lösung unterstützt neben dem Open Document Format (ODF) auch Microsoft-Formate wie DOCX, XLSX und PPTX – allerdings mit dem Fokus auf ODF-Treue und nicht auf pixelgenaue Microsoft-Kompatibilität.
Für österreichische und deutsche KMU ist Collabora Online insbesondere im Kontext digitaler Souveränität und DSGVO-Konformität interessant. Da alle Daten auf eigenen oder EU-basierten Servern verbleiben, entfallen Probleme mit dem US Cloud Act oder Datentransfers in Drittländer. Die Ressourcenanforderungen sind moderat: Pro CPU-Thread können etwa 10 gleichzeitige Nutzer bedient werden, bei etwa 50 MB RAM pro Benutzer. Die Lösung eignet sich daher auch für kleinere Infrastrukturen oder kann auf einem Raspberry Pi 4 betrieben werden.
Die Hauptvorteile liegen in der vollständigen Kontrolle über Dokumentenverarbeitung, Speicherort und Zugriffsverwaltung, der Unabhängigkeit von proprietären Cloud-Anbietern sowie der Möglichkeit zur individuellen Anpassung und Integration in bestehende Systeme. Nachteile können Performance-Einbußen bei sehr großen, komplexen Dokumenten im Vergleich zu Desktop-Anwendungen sein sowie der höhere administrative Aufwand gegenüber fertigen Cloud-Diensten.
Praxisbeispiel
Eine Steuerberatungskanzlei mit 12 Mitarbeitenden in Graz betreibt eine eigene Nextcloud-Instanz bei einem österreichischen Hoster und integriert Collabora Online (CODE) für die gemeinsame Bearbeitung von Mandantenberichten und Jahresabschlüssen. Sensible Finanzdaten bleiben dabei durchgehend auf EU-Servern unter voller Kontrolle der Kanzlei, ohne dass Daten durch US-amerikanische Cloud-Dienste fließen – ein klarer Vorteil bei der Einhaltung berufsrechtlicher Verschwiegenheitspflichten und DSGVO-Anforderungen.